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Art of Hosting

Alter oder neuer Wein ?

Susanne Polewsky |


 

 

Unter dem Begriff „The Art of Hosting“ firmiert seit einigen Jahren ein Moderationskonzept, das den Austausch in Gruppen mit verschiedenen Methoden unterstützt. Nicht so neu, finden wir: Genau genommen nicht mehr als eine begriffliche Klammer für Designs und Methoden, die (nicht nur!) wir seit vielen Jahren nutzen!

 

„Art of Hosting“ (AOH) hat den Anspruch, einen Raum entstehen zu lassen, in dem Menschen gleichberechtigt und selbstorganisiert miteinander ins Gespräch kommen, in dem Dialog und gemeinsames Lernen befördert wird. Es ist eine Mischung aus Philosophie und Methoden-Pool.

 
 
Blumige Philosophie

 

AOH will „die kollektive Weisheit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation von Gruppen jeglicher Größe …nutzen“, so die Website der deutschen AOH-Community. Sie setzt dabei auf Selbstorganisation, die Kraft des Einzelnen und der Gruppe, darauf, dass durch Zuhören und Zugewandtheit etwas Neues entsteht, im besten Fall Transformation.

Zentral dabei, wie der Name schon sagt, ist die Haltung des Einladenden. Dieser versteht sich nicht primär als Moderator, sondern als Gastgeber. Durch seine einladende und zugewandte Haltung schafft er die Atmosphäre für „gute“ Gespräche.

 

 

Bekannte Settings und Methoden

 

Ausgangspunkt des Austauschs sollte immer eine „kraftvolle“ Frage sein. Weiteres durchgehendes Element: die Kreisstruktur als Sitzordnung, in der sich alle sehen können.

Im Werkzeugkoffer findet sich dann alles, was man aus den Großgruppen-Designs der letzten 20 Jahre kennt: vom Open Space über World Café bis Appreciate Inquiry bis hin zu neueren Methoden wie z.B. Design Thinking. Auch Visualisierungstechniken wie MindMapping und Graphic Facilitation werden dazu gezählt.

 

 

What’s new?

 

Die Grundelemente von AOH sind sicher klug und zielführend für einen bestimmten Typus von Veranstaltungen. Allerdings handelt es sich um kein wirklich neues Konzept, sondern nur um ein neues Etikett. Es bindet bekannte (Großgruppen)­Techniken mit einer leicht überhöhten Begründung zusammen. So wird Art of Hosting auf der AOH-Website etwas euphemistisch übersetzt mit „Die Kunst des Gastgebens und Erntens guter Gespräche“. Dieses Denken ist derzeit sicherlich eher in den sozialen Bewegungen verankert und spricht weniger taffe Manager an.

 

 

In jedem Fall: inspirieren lassen!

 

Wir arbeiten seit Jahren mit den „AOH“-Methoden und versuchen, unsere Kunden zu überzeugen, dass nur ein offener Dialog Ergebnisse bringt. Um „echte“ Kommunikation zu gewährleisten, braucht es einen klug gewählten Rahmen, ein stimmiges Design und Methoden, die den Dialog fördern. Dazu gehören: Raum für die Themen der Teilnehmer, hohe Eigenverantwortung und Selbstorganisation, eine Kultur des gegenseitigen Zuhörens  und die dazu geeigneten passenden Methoden – das alles verbunden mit einer empathischen Moderation, die Anliegen, Wünsche, Hoffnungen und Ängste der Teilnehmer aufgreift. Nur so können Veranstaltungen Synergieeffekte erzielen, kommen Teilnehmer anders heraus, als sie hineingegangen sind. Mehr dazu in unserem  Buch Info-, Lern- und Change-Events.

 

Leider ist das in manchen Unternehmen noch keinesfalls selbstverständlich.. Als wir vor einiger Zeit einem stark hierarchisch aufgestellten Unternehmen ein entsprechendes Veranstaltungs-Design vorschlugen, bekamen wir eine Absage mit den Worten: „Dafür sind wir (= unsere Organisation) noch nicht reif!“

Wir freuen uns natürlich, wenn sich Auftraggeber, Veranstalter und Moderatoren von den Grundideen des AOH inspirieren lassen. Nur zu! Aber braucht es dafür ein neues Etikett?

 

Mail an die Autorin:   polewsky@wup.info