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Vanillekipfl, Klimagipfl, Tannenwipfl!

"Friede auf Erden" - leider nicht umsonst

Susanne Polewsky |


niko Es weihnachtet sehr! Die Innenstädte quellen über. Ein Volk von Geschenksuchern und Käufern, Tendenz: ratlos. Schließlich haben wir doch schon alles! Zeitgleich kommen vom Klimagipfel in Lima trostlose Meldungen: Keine Einigung auf Maßnahmen zur CO2-Reduktion. Hat nichts miteinander zu tun?

 

 

 

CO2 und kein Ende

 

Seit 1992 sind die klimaschädlichen Emissionen weltweit um mehr als 50 Prozent gestiegen. Der Weltklimarat hat vor kurzem zur sofortigen Emissionsreduktion aufgerufen, um weitere Erwärmung zu verhindern. Deren irreversible Folgen sind hinlänglich bekannt: Überschwemmungen, Hitzeperioden und Unwetter – und damit verbunden Verteilungskämpfe um Land und Lebensmittel. Auf dem Weltklimagipfel jetzt im Dezember in Lima hat man sich dennoch nicht auf CO2-reduzierende Maßnahmen einigen können.

 

 

Das eigene Hemd …

 

Es sind die Regierungen, die sich nicht einigen konnten. Aber die Verantwortung liegt nicht allein bei denen“ da oben“ – unsere Regierung verteidigt in Lima schließlich unseren derzeitigen Lebensstil, und der hängt an der eisernen Kohlenstoffdioxid-Lunge!
Die durchschnittliche Erzeugung von CO2 muss sich aber weltweit auf einen jährlichen Mittelwert von 2,7 Tonnen pro Person einpendeln, damit es nicht zur Erwärmung von mehr als 2 Grad Celsius kommt.

 

 

 

Leben auf zu großem Fuß

 

Zur Erinnerung: „Unser“ durchschnittsdeutscher Fußabdruck beträgt derzeit 11 Tonnen pro Kopf und Jahr! Können wir nicht ändern? Die gute Nachricht: Doch, jeder von uns kann Einfluss nehmen, seinen Anteil reduzieren! Die schlechte Nachricht: Es geht nicht, ohne dass wir unseren Konsum "abspecken". Auch „grünes Wachstum“ ist leider kein Ausweg, denn auch das heißt mehr Produktion, mehr Ressourcenverbrauch, erhöhte Einkommen und weiter steigenden Konsum. Genaueres dazu bei Niko Paech, z.B. hier.

 

 

 

„Ich kaufe, also bin ich?!“

 

Kaufen bedeutet für die meisten von uns Freiheit und Selbstverwirklichung, Konsum gilt als kultur- und identitätsstiftend. Sich etwas leisten erleben wir als Belohnung für hartes Arbeiten oder Kompensation für Entgangenes.
Und unser Leben ist ein Wunschkonzert: Kein Skiwetter in den Alpen? Dann Heliskiing in Kanada oder Sonnenbaden auf den Kanaren!  Flüge reduzieren? Wozu? Notfalls "kompensieren" wir, z.B. über "atmosfair". Leider braucht es dringend beides: Klimaschutzprojekte und Flugvermeidung!

 

 

 

Vom Konsumenten zum Bürger werden! 

 

„Lifestyle“ kaufen oder Lebensstil gestalten? Wir haben die Wahl - und immer mehr von uns entscheiden sich für letzteres! Das zeigen die vielen Initiativen rund ums Reparieren & Recyceln, ums Teilen & Tauschen, um regionale Erzeugergemeinschaften und Selbstversorgung. Hier geht es auch um CO2-Vermeidung, und hier entstehen neue Formen sozialen Handelns. Unsere Aufgaben als „Bürger“ können wir eben nur durch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erfüllen, durch Gestaltung und Einmischen - nicht durch Kaufen!

 
Sie denken, Konsumverzicht macht verhärmt und zickig? Mitnichten! Das neue gute Leben sieht vielleicht anders aus als gewohnt, ist aber ganz und gar nicht entbehrungsreich! Stellen Sie sich einfach mal vor: Weniger Kaufrausch, dafür mehr soziales Leben und Kultur in unseren Städten. Weniger Verkehr, dafür mehr Ruhe, saubere Luft und unzerstörte Natur. Weniger kaufen, dafür mehr selber gemeinschaftlich produzieren, reparieren, ausleihen, sich gegenseitig helfen.

 

P.S.: Wer genauer wissen will, was sein eigener Anteil an der Erderwärmung ist, kann sich übrigens schnell einen Überblick verschaffen mit dem Klimarechner des Umweltbundesamtes.

 

 

Mail an die Autorin: polewsky@wup.info