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Online-Training ohne „Zoom-Ennui“ ?!

Vom eigenwilligen Präsenz-Training zur interaktiven Online-Version

Hermann Will |


Schnelles Teilnehmer-Feedback: "Das Wichtigste für mich!"

 

Seit über zehn Jahre steht unser „Präsentationstraining“ im Programm der Hochschule Augsburg: Jeweils zwei Präsenz-Blocktage für knapp 30 postgraduiert Studierende, drei Trainer, viel Übung in Kleingruppen, Video-Feedback, Anregung zum Präsentieren „anders-als-üblich“. Und das Ganze bereitet auf prüfungsrelevante Präsentationen in Englisch vor. 2021 war Präsenz nicht möglich, aber Rahmenbedingungen und Ziele blieben gleich. Wir mussten also unseren interaktiven Präsenz-Arbeitsstil in attraktive Online-Äquivalente „übersetzen“ - ohne die berüchtigte "Zoom-Langeweile".

 

 

Von den Zoom-Präsentationen der Studierenden erwarten wir mehr

 

Unsere Botschaft: Bitte nicht einfach nur PowerPoint-Slides einspielen und unbeweglich-sitzend Monologe vortragen! Stattdessen: Viel „Stimulanz“. Schließlich präsentieren in der Prüfung acht Gruppen hintereinander. Das macht das Prüfungs-Publikum müde und ist auch für Präsentationen am Arbeitsplatz keine gute Lösung. Insofern sollte auch unser Training zumindest teilweise Modell sein für die Prüfungsauftritte.

 

 

Unser Zoom-Training setzt auf Inhalts-, Methoden- und Medien-Vielfalt

 

An den zwei Zoom-Tagen wurde in unterschiedlicher Zusammensetzung gearbeitet. Neben dem „Plenum“ gab es von drei Trainern betreute „Drittelplena“ fürs Erproben und Feedback sowie acht Breakout-Gruppen fürs Konzipieren der Gruppen-Präsentationen – mit beratendem Trainerbesuch zwischendurch.

Um die Energie hochzuhalten und um viele Beispiele zu demonstrieren, achteten wir in den zwei Trainingstagen auf Medien- und Methodenvielfalt, auf Publikums-Dialoge, auf Requisiten, Demo-Spielszenen, auf Raumnutzung – also auf Online-Inszenierung. Viele sind praktikable Äquivalente unserer Präsenzmethoden.

 

 

Leitmetaphorik: Knäckebrot und Gurkerl

 

Viele Fachpräsentationen sind für Zuhörer trocken wie Knäckebrot (aber nahrhaft und gesund). Damit der Inhalt nicht allzu bröselig wird, tun Vortragende gut daran, ihrem Publikum zwischendurch zur Abwechslung einen kleinen Schluck Wasser, ein Stückchen Käs oder ein „Essiggurkerl“ anzubieten. Dann sind die eher wieder bereit für neues Knäcke. Unser „Gurkerl“ steht für „Stimulanz“. In Präsentationen sind das oft schon aktivierende Kleinigkeiten. Und das gilt für Online- ebenso wie für „Echt“-Vorträge!

 

 

Stimulanz-Prinzip: Analog-Inseln im Digitalen

 

Zwischendurch weg vom Rechner! Gerade weil Zoom & Co. so vielfältig sind, kleben Referenten am Rechner und wickeln dort alles „digital“ ab: Schieben PowerPoints ein, zeichnen und beschriften Whiteboards, lassen punkten und stempeln, eröffnen Chaträume. Diese Technik-Vielfalt droht unpersönlich und eintönig zu werden. Also zwischendurch rein in den Raum. Dort ganz konventionell ein Plakat erklären, große Karten anheften, Handskizzen auf Flipcharts zeichnen, Gegenstände zeigen, ein Live-Interview am Stehtisch führen oder eine kurze Szene anspielen. Oder das Publikum schaut zu, wie auf einem Blatt Papier live eine Stichwort-Zurufliste oder eine Handskizze entsteht. Bei all dem hilft eine bewegliche Doku-Kamera.

 

 

Stimulanz-Prinzip: Teilnehmer live einbeziehen

 

Für Wachheit sorgen: Zwei-Minuten-Gymnastik aller Teilnehmer im Stehen. Breakout-Treffen und anschließend direkte Fragen an einzelne Gruppen. Rate- und Schätzaufgaben. Mit verschiedenfarbigen Post-it Zetteln abstimmen oder ein „Gruppen-Meinungsbild“ erstellen lassen, z.B. mit „meinem persönlichen Keyword“ auf Karten, die dann alle vor ihre Kameras halten. Und Handzeichen gehen natürlich auch mit echten Händen. Diese Aktivierungen setzen alle auf persönlichen Einsatz. Das ist ein guter Kontrast zur technischen Glattheit der Online-Programme.

 

 

Zu viel des Guten?

 

Essiggurkerl alleine retten übervolle oder inhaltlich schwache Präsentationen nicht. Abspecken, Nutzenorientierung und weniger Knäckebrot würde vielen Vorträgen guttun. Und zu viele Gurkerl liegen manchen auch im Magen: Die Studierenden sollen in ihren fachbezogenen Online-Präsentationen nicht alle gezeigten Möglichkeiten anwenden. Aber sie sollen wissen, dass jenseits des Üblichen weit mehr möglich ist – klug dosiert.

  

Das WUP WILL UND PARTNER Trainerteam für Augsburg: Anke Breitenfellner, Susanne Polewsky und Dr. Hermann Will. 

 

Unser Arbeitsplatz - fast ein Studio!

 

Mail an den Autor:  will@wup.info