WUP-Blog

Tellerrand

WUP-Blog
zurück

Heilige Kühe? Trainersünden! (Teil 3)

Schwere Trainersünden. Dafür kommt man in die Hölle!

Hermann Will |


Foto: Franz WILL

 

 

Auch die dritte Gruppe "Heiliger Kühe" scheint hartnäckig unantastbar. Für solch schwere Sünden kommen Trainer in die Hölle (gemeinsam mit unbedachten Auftraggebern), denn sie vergiften den Lernprozess. Die Ausrede mit den "Sachzwängen" hilft da auch nicht mehr.

 

 

Zwangs-Völlerei: Unbedacht oder vorsätzlich absichtsvoll?
 

„Zu viel Stoff – zu wenig Zeit!“. Unter Zwangs-Völlerei und deren Folgen leiden Trainer (und Teilnehmer), insbesondere bei Pflichtstoff im Vorfeld von Prüfungen. Viele Dozenten retten sich da in Folien-Express-Inputs und reduzieren sich aufs Vortragen. Der "Wegtrag" durch die Teilnehmer bleibt außen vor. Wenn es böse läuft, dann sind die Dozenten so juristisch aus dem Schneider: Sie haben nachweisbar alles "durchgenommen". Für spätere Fehler der Teilnehmer sind dann die selbst verantwortlich.

 

ALTERNATIVEN GEGEN ZU VIEL STOFF

  • Mit dem Auftraggeber nachverhandeln. Manches ist nur unbedacht vorgeben.
  • In Abstimmung mit den Teilnehmern mehr Mut zur Lücke haben.
  • Stoff in unterschiedlicher Tiefe vermitteln.
  • Stoff nicht 1 zu 1 vortragen, sondern das Nutzen der Unterlagen schulen. Also: Das „Trainings-Handbuch“ kommentierend durchgehen, Akzente setzen, auf Randthemen hinweisen (aber nicht vermitteln). Zumindest zwischendurch Zeit fürs Verdauen und Wiederholen lassen.

 

 

 

Das Predigersyndrom: Runter von der "Kanzel"!

 

Viele Trainer und Trainerinnen leiden unter dem Prediger-Syndrom. Sie stehen oder sitzen exponiert „vorne“ – in der Nähe ihrer schnell wechselnden Beamer-"Altar"bilder. Das ergibt eine Kommunikation des Typs „Ich da oben – ihr da unten“ oder extremer: „Ich bin das edle Fass Gran Riserva – ihr die leeren Flaschen!“. Schulung wird zum Abfüllen, Verkorken und Etikettieren.

 

ALTERNATIVEN

  • Nochmals das eigenen Trainer-Selbstverständnisses prüfen: Ist "Guru" wirklich mein Leitbild?
  • Weniger Frontalunterricht! Sie vermitteln ja keine Frontberichte!
  • Andere Sitzordnung und Wechsel des Trainer-Platzes.
  • Mit mehreren „Bühnen“ im Raum die Hochaltarlösung vermeiden.
  • Sich von der Provokation des Buchtitels „Training from the Back of the Room. Step Aside and Let them Learn“ inspirieren lassen (Sharon Bowman).

 

 

 

Kontrollsucht: Minutiöse Planung

 

„Kein Plan überlebt die erste Feindberührung!“. Diese Weisheit des preußischen Generalfeldmarschalls von Moltke gilt auch für Trainings (obwohl Schulungsteilnehmer keine Feinde sind)! Nichts gegen gründliche Planung, aber die muss offen bleiben fürs Nachjustieren. Für unsichere Anfänger und kontrollsüchtige Auftraggeber bleibt das eine Herausforderung. Ihnen wäre es am liebsten, alles liefe minutengenau nach (ihrem) Plan. Aber Trainings dienen den Teilnehmern – nicht formaler Planerfüllung.

 

ALTERNATIVEN

  • Man muss Ziele, Inhalte und Spannungsbögen planen. Aber es muss Raum bleiben fürs Nachjustieren.
  • „Werkstatt“ ist das flexiblere Format – eine Mischungen aus Training und Workshop. Die lässt Teilnehmern mehr Mitwirkungsmöglichkeit als straff getaktete Trainings.

 

 

 

Arroganz: "Die wollen ihre Komfortzone nicht verlassen!"

 

Liebgewonnenes bewahren, statt sich auf Neues einzulassen kann Trainern in Veränderungsprozessen das Leben schwer machen. Aber trotzdem es meist arrogant, den Teilnehmern zu unterstellen, sie wollten nur ihre „Komfortzone nicht verlassen“. Die haben subjektiv gute Gründe für "Widerstand": Die Arbeitsbedingungen haben vielleicht schon länger nichts mehr mit „Komfort“ zu tun. Manches ist für die Betroffenen nur eine weitere Sau, die neue Chefs durchs Unternehmen treiben. Nachteile bleiben unerwähnt. Für Skepsis ist zu wenig Raum. Und empathielose Vermittlung ist vielleicht ein Zeichen für die mentale Komfortzone der Trainierenden - die wollen ihre auch ungern verlassen.

 

Alternativen

  • Skepsis gegenüber „Change“ hat viele Gründe. Die könnte man fair ergründen und ansprechen.
  • Bewertende Schuldzuweisung baut Skepsis, Ablehnung und Widerstand nicht ab.
  • Empathie und die eigene Komfortzone als Trainer analysieren.

 

 

Nachtrag zum "Mini-Handbuch Training und Seminar". Hermann WILL. BELTZ-Verlag 2016.

Mail an den Autor:  will@wup.info