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WUP Trainer-Training für Mediatoren

Trainer-Qualifizierung in der Ukraine

Hermann Will |


 

Dass Mediation momentan in der Ukraine dringend nötig und wünschenswert wäre, wird wohl niemand bestreiten. Hermann Will war in Sachen Mediation in Lviv / Lemberg unterwegs – es ging aber nicht um die große Politik …

 

 

Trainer-Training mit persönlicher Vorgeschichte

 

Vor 20 Jahren war ich bereits für ein Trainer-Training in Kiew. Damals sollte ich wohl vor allem einen guten Eindruck gewinnen. Also gab es persönliche Betreuung, Hochschul- und Firmenbesichtigungen, den Besuch eines internationalen Volleyballtourniers der Invaliden und den Ausflug in ein wunderschönes Waldgebiet zur Maiglöckchenblüte – 80 km von Tschernobyl entfernt. Unterrichtssprache war Russisch (mit Dolmetscher). Monate später, als alle Teilnehmer für Firmenpraktika in die Region München kamen, lud ich sie zu mir ein.

  

 

Lviv 2014 – Multiplikatoren-Qualifikation für Wirtschaftsmediatoren

 

Im Winter 2014 war ich wieder in der Ukraine – diesmal im westukrainischen Lemberg. Auftraggeber war ein deutsch-ukrainisches Partnerschaftsprojekt der Wirtschaft und die Westerhamer IHK-Akademie. Zielgruppe: ukrainische Wirtschafts-Mediatoren, die ihr Mediatorenwissen im Land weitervermitteln sollen.

Diesmal war alles gut geregelt: Es gab Vorgespräche, eine hochorganisierte Vorfeld- und Vor-Ort-Betreuung und 15 Teilnehmer (aus der ganzen Ukraine), die vor kurzem die Westerhamer IHK-Mediatorenausbildung erfolgreich absolviert hatten.

In diesem speziellen Train-the-Trainer Training erprobten und diskutierten wir, wie Mediatoren-Grundhaltungen und Mediatoren-Handwerk am klügsten vermittelt werden. Schulungssprache war diesmal Ukrainisch (mit Dolmetscher) und ein ergänzendes Kauderwelsch aus Englisch und Deutsch.

  

 

Lemberg – eine Welt-Kulturerbe-Stadt

 

Zwischendurch war etwas Zeit, die Stadt mit dem Löwen im Wappen zu besichtigen: Die mittelalterliche Innenstadt, inzwischen gut renoviert, mit schönen Gassen und Plätzen und ungewöhnlich vielen Kirchen verschiedenster Konfessionen. Darum herum viel klassizistische und Jugendstilarchitektur. Die ursprünglich multikulturelle Stadt hat polnische, russische, deutsche und österreichische Besetzung erlebt, hatte viele jüdische Bewohner und war in der K & K Zeit galizische Verwaltungshauptstadt.

 

 

Die Stimmung vor Ort

 

Die aktuellen Probleme erkennt man erst auf den zweiten Blick: Den massiven Rückgang ausländischer Touristen und den sinkenden Wechselkurs. Unsere Teilnehmer dankten uns für unseren „Mut“, derzeit in die Ukraine zu kommen. Fliegende Händler verkauften Fußabstreifer mit Putins Konterfei. In der Altstadt gab es Bildtafeln mit Fotos gefallener Bürger und Soldaten und Zelte für Zivilschutzunterweisungen. Und am Tag meiner Abreise begleiteten Bürger und Militärmusiker in Festuniform den Sarg eines gefallenen Soldaten aus einer Kirche in die Innenstadt. Da war die große Politik wieder mehr als präsent.                

Herzlichen Dank allen Unterstützern und Beteiligten: IHK-Akademie Westerham, Volker Stötzner, Dr. Andriy Yaniv, Brigitte Gans, Dagmar Ponschab, Burkhard Kück und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

 

 

Mail an den Autor: will@wup.info